Braucht man für eine Wärmepumpe einen Starkstromanschluss?
Kurze Antwort: Meistens ja. Für gängige Luft-Wasser-Wärmepumpen in Einfamilienhäusern in Oldenburg ist ein 400‑V‑Drehstromanschluss (umgangssprachlich Starkstrom) der Standard. Es gibt jedoch auch 230‑V‑Modelle, die in bestimmten Situationen sinnvoll und zulässig sind. Entscheidend sind Heizlast, Geräteleistung, Anlaufströme, die Herstellerangaben und die vorhandene Elektroinstallation. Wir beurteilen das jeweils im Zusammenhang mit Gebäude, Hydraulik, Außeneinheit und elektrischem Anschlussraum, damit Anlage und Netz sauber zusammenspielen.
Warum ist das wichtig? Wärmepumpen beziehen elektrische Energie, um Umgebungswärme nutzbar zu machen. Je höher die geforderte Heizleistung und je niedriger die Außentemperatur, desto stärker werden Verdichter, Lüfter und Pumpen gefordert. Ein dreiphasiger 400‑V‑Anschluss verteilt die Last gleichmäßig, reduziert Leiterströme und sorgt für mehr Betriebssicherheit – gerade in Kälteperioden, wenn das Haus die Wärme am dringendsten benötigt.
Wann genügt 230 V – und wann braucht es 400 V?
- Luft-Wasser-Wärmepumpe für Einfamilienhaus (ca. 6–10 kW): In der Regel 400 V. So bleiben Leitungsströme moderat, Spannungsabfälle gering und die Versorgung stabil – auch bei Verdichterspitzen.
- Kompaktere Geräte bis etwa 5–6 kW: Es gibt 230‑V‑Varianten, die funktionieren können. Voraussetzung sind eine ausreichend dimensionierte Zuleitung, passende Absicherung und ein Konzept zum Handling der Anlaufströme (z. B. Inverter, Sanftanlauf).
- Luft-Luft-Klimageräte mit Heizfunktion: Meist 230 V, da geringere Heizleistungen und andere Betriebsprofile. Für einzelne Räume oder Wohnungen kann das ausreichend sein.
- Elektrische Heizstäbe im Pufferspeicher (z. B. 3–9 kW): Ab ca. 6 kW üblicherweise dreiphasig. Auch in bivalenten Anlagen empfehlen wir bei höheren Leistungen einen 400‑V‑Anschluss.
- Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Systeme: Häufig 400 V, da die Verdichterleistungen und Betriebsstunden oft höher sind. Hier sind Herstellerangaben maßgeblich.
Wichtig: 230 V ist keine „Notlösung“, sondern in passenden Leistungsklassen technisch völlig in Ordnung. Für viele Einfamilienhäuser mit moderner Dämmung, Fußbodenheizung und einer Heizlast im unteren Bereich kann das eine gute Option sein. Steigen die Anforderungen, bietet dreiphasiger Anschluss Reserven und mehr Robustheit.
Was bedeutet Starkstrom in der Praxis?
Wir legen einen eigenen, dreiphasigen Stromkreis mit passender Absicherung, Leitungsschutz und – herstellerabhängig – geeignetem Fehlerstromschutzschalter aus (oft Typ A, teils Typ F/A‑EV oder B, abhängig von Frequenzumrichtern und Ableitströmen). So vermeiden wir Spannungsabfälle, Fehlauslösungen und sichern den zuverlässigen Betrieb auch im Winter. Im Hausanschlusskasten und Zählerschrank prüfen wir Platz, Selektivität und die Einbindung in das Gesamtsystem inklusive PV, Speicher und ggf. Wallbox.
Anlaufströme, Inverter und Absicherung
Moderne Wärmepumpen arbeiten meist mit Invertertechnik. Das reduziert die klassischen Anlaufstromspitzen deutlich, ersetzt aber nicht die sorgfältige Auslegung von Leitungslängen, Querschnitten, Vorsicherung und RCD-Typ. Je nach Gerät sind z. B. 3×16 A oder 3×20 A sinnvoll. Bei 230‑V‑Geräten sind höhere Betriebsströme auf einer Phase zu berücksichtigen, weshalb wir die Zuleitung und die Absicherung entsprechend planen. Ziel ist eine Anlage, die ohne Flickern, Auslösungen und Leistungsverluste durchläuft.
Zuleitung, Leitungswege und Spannungsfall
Außengeräte stehen oft an der Fassade oder im Garten. Das erfordert durchdachte Leitungswege, Wanddurchführungen und eine Auslegung auf geringen Spannungsfall – insbesondere bei längeren Strecken. Wir achten auf korrosionsgeschützte Installation, mechanischen Schutz im Erdreich und klare Trassenführung, damit Servicearbeiten später einfach bleiben.
Anmeldung und Netz in Oldenburg
In Oldenburg ist der zuständige Netzbetreiber in der Regel EWE NETZ. Wärmepumpen sind anmeldepflichtig, ab 12 kW meist genehmigungspflichtig. Wir übernehmen die Abstimmung, prüfen Zählerschrank und Hausanschluss, ermitteln die Anschlussleistung und planen die Zuleitung. Je nach Auslastung sollten wir mit 2–6 Wochen Vorlauf für die Netzfreigabe rechnen. Bei PV-Anlagen, Wallboxen oder Lastmanagementsystemen binden wir die Wärmepumpe koordiniert ein – inklusive möglicher Steuerbarkeit über Rundsteuerempfänger bzw. moderne Messsysteme, falls vom Netzbetreiber gefordert.
Typische Hinweise aus unseren Projekten
- Ältere Bestandsgebäude: Häufig ist die Nachrüstung eines dreiphasigen Kreises nötig, manchmal auch ein Upgrade des Zählerschranks auf aktuelle TAB. Wir klären das vorab in der Begehung.
- PV-Anlage und Wärmepumpe: Dreiphasiger Anschluss erleichtert das Lastmanagement und die Eigenstromnutzung. Über Wärmepumpenmanager oder SG-Ready-Schnittstellen kann Überschussstrom sinnvoll genutzt werden.
- Schallschutz und Standort: Der Aufstellort beeinflusst Kabelführung, Wanddurchführungen und Absicherung. Kürzere Wege bedeuten oft weniger Spannungsfall und reduzierten Installationsaufwand.
- Hydraulik und Spitzenlast: Ist ein elektrischer Heizstab vorgesehen, dimensionieren wir die Leitungen so, dass Wärmepumpe und Heizstab das Netz nicht über Gebühr belasten.
- Servicezugänglichkeit: Klare, dokumentierte Leitungsführung und beschriftete Schutzorgane sparen im Betrieb Zeit und Kosten.
Kosten und Zeitplan: realistische Richtwerte
Die Kosten für die Nachrüstung eines Starkstromanschlusses hängen von Leitungslängen, Durchbrüchen, Anzahl der Phasen, Zählerschrankzustand und Netzanforderungen ab. Grobe Erfahrungswerte bewegen sich häufig im unteren bis mittleren vierstelligen Bereich. Für Planung, Anmeldung und Ausführung empfehlen wir – je nach Auslastung und Netzfreigabe – mehrere Wochen Puffer. Durch eine gute Abstimmung mit EWE NETZ und eine frühzeitige Detailplanung vermeiden wir Verzögerungen im Inbetriebnahmetermin.
FAQ
Benötigt jede Wärmepumpe Starkstrom?
Nein. Viele Luft-Wasser-Systeme arbeiten ideal mit 400 V, es gibt aber 230‑V‑Modelle mit kleinerer Leistung. Die Entscheidung hängt von Heizlast, Geräten und der Elektroinstallation ab.
Kann ich in einer Bestandswohnung einfach eine 230‑V‑Wärmepumpe betreiben?
Nur nach Prüfung der Leitungslängen, Querschnitte und Absicherung. Ein eigener Stromkreis ist meist erforderlich, damit es keine Überlastungen oder Auslösungen gibt.
Was kostet die Nachrüstung eines Starkstromanschlusses?
Das hängt von Leitungslänge, Durchbrüchen, Zählerschrank und Netzanforderungen ab. Grobe Erfahrungswerte liegen häufig im unteren bis mittleren vierstelligen Bereich. Ein Vor-Ort-Termin liefert belastbare Zahlen.
Muss die Wärmepumpe beim Netzbetreiber angemeldet werden?
Ja, in Oldenburg üblicherweise bei EWE NETZ. Ab bestimmten Leistungen ist eine Genehmigung nötig – wir übernehmen das für Sie inklusive Unterlagen und Abstimmung.
Wirkt sich 230 V auf die Effizienz aus?
Die Effizienz hängt primär von Hydraulik, Vorlauftemperaturen, Gerätetechnik und Auslegung ab. Ein 230‑V‑Gerät kann sehr effizient laufen, solange es leistungsgerecht dimensioniert und korrekt installiert ist.
Was ist mit Notstrom oder Betrieb mit PV-Batterie?
Notstromlösungen erfordern eine abgestimmte Systemplanung. Dreiphasige Anlagen und wechselrichterbasierte Systeme müssen kompatibel sein. Wir prüfen, was Ihr Speicher leisten kann und wie die Wärmepumpe darauf reagiert.
Fazit
Für die meisten Wärmepumpen in Oldenburg ist ein 400‑V‑Anschluss die beste Wahl, weil er Reserven, Stabilität und eine saubere Lastverteilung bietet. 230‑V‑Lösungen sind in kleineren Leistungsklassen möglich, wenn Zuleitung, Absicherung und Anlaufverhalten passen. Wir prüfen Ihre Gegebenheiten vor Ort, stimmen uns mit dem Netzbetreiber ab und realisieren eine sichere, effiziente Lösung – mit benmark Gebäudetechnik GmbH aus einer Hand. Wenn Sie wissen möchten, welche Anschlussvariante bei Ihnen sinnvoll ist, vereinbaren Sie jetzt eine unverbindliche Beratung.